Carolin Riede

„Ein naturnaher Garten spart Arbeit und fördert die Artenvielfalt“

Carolin Riede ist selbstständige Landschaftsarchitektin und ihre große Passion ist das Gärtnern. Oft wird sie von Leuten gefragt, was sie aus ihrem Garten machen können. Während Corona hat sie als zusätzliches Angebot Gartenskizze gegründet und berät alle, die keinen grünen Daumen haben, in Gartenfragen. Ein Gespräch über naturnahes Gärtnern, Permakultur und Aha-Erlebnisse.

Carolin, welche Frage bekommst du am häufigsten gestellt?

„Ich habe einen Garten. Was soll ich dort pflanzen?“

Und, wie hilfst du den Leuten?

Ich erstelle ihnen eine Skizze mit Ideen, was sie aus ihrem Garten machen können und helfe ihnen auch dabei, sie selber umzusetzen. Sie bekommen von mir je nachdem was man genau will, einen Pflanzplan inkl. einer genaue Anleitung, wie man pflanzt, eine Skizze für den gesamten Garten oder die Terrasse. Mein großes Interesse ist es zu vermitteln, dass man mit naturnahen Pflanzungen einen Garten anlegen kann, der sehr pflegeleicht ist. Es ist doch so: Wer sich nicht mit dem Garten auseinandersetzen will, möchte auch keine Arbeit mit ihm haben. Viele von Ihnen setzen dann auf gefüllte Gabionenwände, Buchsbaumkugeln und Rasenflächen. 

Carolin Riede Naturnahe Gartengestaltung
Naturnahe Pflanzungen statt Gabionenwände und Buchsbaumkugeln © Carolin Riede / Gartenskizze.ch

„Ein englischer Garten ist alles andere als pflegeleicht“

Was hast du gegen Rasen?

Gegen Rasen, den man nutzt, ist nichts zu sagen. Ich finde es auch ja auch schön auf dem Rasen zu sitzen. Aber ein gemähter englischer Rasen bedeutet viel mehr Aufwand als eine Blühwiese, die dazu noch einen wichtigen Beitrag für die Biodiversität leistet. Ein Streifen Blumenwiese am Rand reicht auch schon aus und rein optisch profitiert man meiner Meinung nach sehr davon.

Wie gestaltest du Gärten?

Naturnah. Mit Hecken, Sträuchern und Blumen, die allen natürlichen Bewohnern eines Gartens, vom Igel bis zur Schnecke, Lebensräume bieten. Ein naturnaher Garten ist nicht nur pflegeleicht, er hat auch einen immensen Wert für die Artenvielfalt.

“Ein naturnaher Garten bietet vielen Tieren Lebensräume“

Klingt nach Permakultur.

Der Gemüsebereich in einem naturnahen Garten kann auf jeden Fall nach dem Vorbild der Permakultur angelegt werden. Denn schließlich basiert auch die Permakultur auf der Gesamtidee eines Kreislaufs, der alle Lebewesen mit einbezieht. Man schützt beispielsweise die Bodenlebewesen, in dem man den Boden nicht umgräbt, verzichtet auf jeglichen Einsatz von Pestiziden und gibt dem Boden alle Pflanzenteile zurück, die man nicht isst. Permakultur ist eine Form Lebensmittel zu produzieren und das natürliche System zu nutzen, um einen möglichst hohen Ertrag zu erwirtschaften. 

Ein Gemüsegarten ohne Düngung und Pflanzenschutz?

Die Grundidee von Permakultur ist, möglichst wenig von Außen zuzuführen. Das bedeutet, dass man Pflanzenabfälle zu Kompost verarbeitet und den Kompost dann wieder in den Boden einarbeitet und ihn damit nährt. 

Man muss den Garten also als Kreislauf betrachten. Was ist noch wichtig?

Auf jeden Fall das Mulchen, also das Bedecken des Bodens zum Beispiel mit Heu, Stroh, Gras oder Holzhackschnitzeln. Das hat eine Menge Vorteile: Mit einer Mulchschicht von ein paar Zentimetern Dicke bleibt beispielsweise sehr viel mehr Wasser im Boden. Selbst im Hochsommer ist die Erde unter der Mulchschicht auch dann noch feucht, wenn es eine Woche lang nicht geregnet hat. Ein weiterer Vorteil ist, dass Mikroorganismen die Mulchschicht zersetzen und die Nährstoffe dadurch wieder in den Boden geben. Außerdem muss man ein gemulchtes Beet fast nicht mehr jäten, weil fast nichts durchkommt. Und das, was durchkommt kann man einfach rausziehen, weil es die Wurzeln in der Mulchschicht hat und nicht im Boden. Hacken muss man auch nicht mehr, weil der Boden locker bleibt. Denn verdichtet wird der Boden ja durch den Regen. Die Prinzipien der Permakultur ersparen also jede Menge Arbeit und sind gut für die Pflanzen und die Biodiversität.

Naturnaher Garten_Schrebergarten
Naturnaher Garten: Wer mulcht, muss weniger gießen und hacken © Carolin Riede / Gartenskizze.ch

„Ein naturnaher Garten hat keine kahlen Stellen“

Kann ich jetzt im Herbst noch einen naturnahen Garten anlegen?

Der Herbst ist mit die beste Pflanzzeit für sämtliche Bäume, Hecken und auch viele Stauden, weil die Pflanzen jetzt keinen Hitzestress mehr haben. Alle winterharten Sorten können also in Ruhe Wurzeln bilden ohne dass sie Blätter produzieren müssen und dann im Frühjahr richtig durchstarten. Und auch ins Gemüsebeet kann man im Herbst noch genügend Sachen einpflanzen, zum Beispiel Knoblauch oder Wintererbsen, die dann früh im nächsten Jahr reif werden. Aber auf jeden Fall ist es wichtig, das Gemüsebeet zu mulchen und nicht brachliegen zu lassen, weil der Regen den Boden im Winter auswaschen würde. Zum Mulchen kann man jetzt im Herbst wunderbar das angefallene Laub nutzen.

Hast du noch einen Tipp: Was wertet einen naturnahen Garten auf?

Für mich war die Erkenntnis ein großes Aha-Erlebnis, dass man unter Hecken und Bäumen nicht alles rausputzt, sondern dort im besten Fall keine kahlen Stellen hat. Also idealerweise bepflanzt man die Baumscheibe mit Stauden, denn diese wurzeln viel tiefer als Gras und sorgen damit für eine gute Durchlüftung des Bodens. Dazu kommt, dass Stauden immer wieder Wurzelteile abstoßen und diese ein wertvoller Dünger für die Bäume sind. Nicht zuletzt hat man durch eine solche Bepflanzung natürlich auch einen schönen gestalterischen Effekt. Es gibt genug Auswahl an Stauden, um damit eine Farbgestaltung zu machen. Und auch dafür zu sorgen, dass im Staudenbeet das ganze Jahr über etwas blüht.

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